Einweihung Kirche 1962

Abschrift des Zeitungsartikels vom 07. August 1962

 

Ein Festtag der Katholiken in Friedrichstal

Weihbischof Karl Gnädinger von Freiburg konsekrierte die St. Elisabeth-Kirche

 

Friedrichstal. Am vergangenen Sonntag, 05. August wurde die im Jahre 1958 erbaute St. Elisabethkirche von Weihbischof Karl Gnädinger, Freiburg, konsekriert. Dieser kirchlichen Feier wohnten auch geladene Gäste der evangelischen Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde bei. Unter ihnen bemerkte man Bürgermeister Hornung und Altbürgermeister Max Borell. Pfarrer Rupp, der an diesem Sonntagvormittag auch auswärts vertretungsweise Gottesdienst zu halten hatte, ließ sich entschuldigen. Dekan Hafner aus Weingarten und die Pfarrer aus Büchenau und Neuthard waren ebenfalls zugegen. Da es Landrat Groß nicht möglich war, an der Konsekrationsfeier persönlich teilzunehmen, beauftragte er Bürgermeister Hornung, in dessen Eigenschaft als Mitglied des Kreistages mit seiner Stellvertretung.

 

Weihbischof K. Gnädinger weilte bereits am Samstag in Friedrichstal und Spöck. Pünktlich zur festgesetzten Zeit begann um 8.30 Uhr die Konsekration. Die Weihe eines Gotteshauses haben die Christen schon seit alten Zeiten feierlich begangen. Durch die Konsekration wird die Kirche feierlich für Gott in Besitz genommen. Die Weihe selbst vollzieht sich in drei Akten: 1. Der Bau wird aus dem weltlichen Bereich ausgesondert und Gott geweiht. 2. Die Reliquien von Heiligen werden in das neue Gotteshaus gebracht. 3. Die Kirche wird geheiligt.

Den gesanglichen Teil bestritt der Kirchenchor Neuthard unter der Leitung von Schwester Agnes. Der Weihbischof erklärte, daß dieses Gotteshaus geheiligt und geweiht werde im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zur Ehre Gottes und zum Gedächtnis der Heiligen Elisabeth. Nachdem zuerst das Äußere der neuen Kirche konsekriert war, weihte der Bischof die Pforte, die ein Eingang zum Frieden sei. Der Geistlichkeit folgte nun die ganze Gemeinde in das Gotteshaus. Hier begrüßte Pfarrer Gerl den Weihbischof sowie die vielen Gläubigen. Schon lange habe sich seine Gemeinde auf diesen Tag gefreut. Diese Freude komme von ganzem Herzen.

Die Konsekration der Innenkirche wurde eingeleitet mit dem Lied „Ihr Freunde Gottes allzugleich". Nach vielen Zeremonien, Gesängen und Gebeten, die mit der Konsekrierung der Kirche und des Hochaltars verbunden waren, hielt Weihbischof Gnädinger eine Predigt: In diesem Hause lassen die Gläubigen Gott Wohnung nehmen und erfahren in ihm sein Erbarmen. Er, der Bischof, freue sich über dieses Gotteshaus, da es mit einem künstlerischen und feinen Gespür erbaut wurde. Er wisse wohl darum, daß die Katholiken und auch evangelischen Christen den Bau gefördert haben. Die Katholiken in Friedrichstal seien meist Vertriebene, die nun ihr eigenes Gotteshaus erhalten haben. Hier werde nun Gottes Wort verkündet und den Menschen nahe gebracht. Unser Ohr, das vom Lärm diese Welt fast taub geworden sein, sollen wir hier öffnen. Schon im Wohnhaus müsse man sich fürs Gotteshaus vorbereiten Die Botschaft des Sohnes Gottes müsse zur Richtschnur unseres Lebens werden, daß es mit uns gehe wie ein Leitstern: Gott komme im Gotteshaus zu uns. Der Gottesdienstbesuch sollte keine äußere Angelegenheit sondern vielmehr innerstes Bedürfnis sein. Hier gehe der einzelne ein in eine größere Gemeinschaft mit dem Haupt Jesus Christus. Von der Kraft Gottes erfüllt, gehen wir hinaus, um uns als Christen zu bewähren.

Der Bischof vermerkte, daß die Katholiken hier in der Minderheit seien und in der Diaspora besonders beobachtet würden. Die Kirche ist der Heiligen Elisabeth von Ungarn geweiht. Viele kamen auch aus Ungarn und haben Schweres erdulden müssen. St. Elisabeth ist eine wunderbare Patronin für eine Gemeinde, die viel Leid hat durchmachen müssen. Als Christen wollen wir wie St. Elisabeth aus einer großen Liebe leben. Der Mensch müsse die Kraft der Liebe haben, den andern zu tragen und zu ertragen. Christliche Haltung sei, da zu sein für die anderen, und allen Andersgläubigen müsse man stets mit Liebe und Hochachtung begegnen.

Nach der gehaltvollen Predigt des Freiburger Weihbischofs wurde in der konsekrierten Kirche das hl. Meßopfer gefeiert. Der Tag der Konsekration von St. Elisabeth durch herrliches Sonnenwetter begünstigt, wird allen Teilnehmen in steter Erinnerung bleiben.