Chronik St. Elisabeth

                                        50 Jahre St. Elisabeth Friedrichstal

 

Am 05.08.2012 feiern die Friedrichstaler Katholiken den 50. Jahrestag der Weihe ihrer Kirche St. Elisabeth. Aus diesem Anlass seien die Gründerjahre und die Entwicklung unserer Kirchengemeinde dargestellt, bis 1974 im Wesentlichen der Ortschronik von Oskar Hornung folgend.

 

Das Jahr 1946 kann als Beginn einer ordentlichen Seelsorge auch für die Katholiken in Friedrichstal bezeichnet werden. Seit nahezu zweieinhalb Jahrhunderten war Friedrichstal eine rein evangelische Gemeinde mit nur wenigen katholischen Einwohnern, die im Jahre 1699 von aus ihrer Heimat vertriebenen Hugenotten gegründet worden war. Im Jahre 1930 waren es lediglich 15, zu Beginn des Jahres 1946 etwa 30-40  katholische Einwohner, die teils durch Einheirat oder als Dienstverpflichtete hier lebten. Sie wurden von der katholischen Pfarrgemeinde Büchenau seelsorgerisch betreut. In den Kirchenbüchern von Büchenau finden wir folgenden Hinweis: „Die evangelischen Orte Staffort und Friedrichstal waren in die hiesige Pfarrei nicht eingegliedert, die dort wohnenden Katholiken wurden aber von Büchenau aus mitversehen".

 

Eine völlig andere Situation entstand nach dem 2. Weltkrieg. Im Zuge der Vertreibung kamen viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge in das Land Baden. Ohne Rücksicht auf ihren Glauben wurden sie in die einzelnen Städte und emeinden eingewiesen, u.a. auch nach Friedrichstal. Die ersten Katholiken kamen im Februar 1946 aus Ungarn, weitere folgten im Laufe des Jahres aus Jugoslawien, dem Sudetenland, aus Ostpreußen, Westpreußen und Schlesien. Ende 1946 waren schon über 300 Katholiken in Friedrichstal untergebracht. Nun war es notwendig geworden, für sie eine eigene Seelsorge  einzurichten. Bereits im Juni des Jahres 1946 kam auf Bitten einiger Katholiken der Vikar aus Weingarten, der auch für Blankenloch zuständig war, an Sonntagen nach Friedrichstal und hielt hier der Gottesdienst.

Die evangelische Kirchengemeinde hatte hierfür unentgeltlich einen Saal im evangelischen Kindergarten zur Verfügung gestellt.



Im September 1946 wurde Herr Pfarrer Josef Gerl, aus dem Böhmerwald-Sudetenland heimatvertrieben, mit der Seelsorge der Katholiken in Friedrichstal und Spöck beauftragt. Die neue Seelsorgestelle wurde seinerzeit „Expositur" benannt, mit Sitz in Spöck . Den ersten Gottesdienst hielt Pfarrer Gerl am letzten Sonntag im September 1946. Die katholischen Einwohner von Friedrichstal waren über diese Lösung sehr froh, brauchten sie doch nicht mehr die Gottesdienste in Weingarten oder Büchenau bzw. Neuthard zu besuchen.

 

Kirchenrechtlich gehörte Friedrichstal, trotz der neu gebildeten Seelsorgestelle, weiterhin zur Pfarrei Büchenau, während Spöck der Pfarrgemeinde Neuthard zugeordnet blieb. Pfarrer Gerl durfte keine eigenen Kirchenbücher führen. Alle Friedrichstaler Taufen, Trauungen und Beerdigungen mussten weiterhin beim Pfarramt in Büchenau angemeldet werden, wo sie in das Kirchenbuch eingetragen wurden.

 

Bis zum Jahre 1951 war die Zahl der Katholiken in Friedrichstal auf 384 angestiegen. Auch die Zahl der katholischen Schulkinder war angewachsen, so dass der Religionsunterricht von nun an in zwei Unterrichtsgruppen erteilt wurde.

 

In diesem Jahre gab es erste Überlegungen, ein eigenes Gotteshaus zu erstellen, zumal auch die evangelische Kirchengemeinde darum bat, sich um einen anderen Gottesdienstraum zu bemühen. Infolge der wachsenden Kinderzahl wurden beide Räume im Kindergarten benötigt und auch das Gesundheitsamt sah es nicht gerne, dass ein Kindergartensaal als Gottesdienstraum verwendet wurde.

 

Aus diesem Grunde mietete im Juni 1954 die katholische Kirchengemeinde den Saal des Gasthauses „Zur Rose" an, um ihn als Gottesdienstraum zu nutzen. Sitzgelegenheiten mussten mitgebracht werden.

Der Bau eines eigenen Gotteshauses wurde nunmehr immer dringlicher. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen dem Domänenamt in Karlsruhe, der Kirchenbehörde in Freiburg, dem Landratsamt sowie der Pfälzer Katholischen Kirchenschaffnei Heidelberg wurde im Jahre 1956 das Kirchengrundstück in Friedrichstal durch das Pfarramt Büchenau käuflich erworben. Mit der Bauplanung konnte begonnen werden.

 

Zuvor wurde jedoch die „Expositur" Spöck/Friedrichstal in eine eigene selbständige katholische Kirchengemeinde umgewandelt. Die erzbischöfliche Verordnung vom 11.09.1957 hat folgenden Wortlaut: „Für die Katholiken, welche auf dem Gebiet der Gemarkung Spöck und Friedrichstal wohnen, errichten wir mit Wirkung zum 1.April 1958 unter Lostrennung von den seitherigen Kirchengemeinden Neuthard und Büchenau eine eigene, selbständige, rechtspersönliche römisch-katholische Kirchengemeinde Spöck. Die Grenzen derselben decken sich mit den Grenzen der römisch-katholischen Pfarrkuratie Spöck". Das Kultusministerium in Stuttgart hat hierzu gemäß Artikel I und II des Bad. Ortskirchensteuergesetzes vom 30. Juni 1922 in Verbindung mit § 1 der VVO hierzu, in der Fassung vom 19.März 1956 die staatliche Genehmigung erteilt.

Freiburg i. Breisgau, den 11. September 1957        Eugen, Erzbischof".

 

Als Planer für den Bau einer Filialkirche in Friedrichstal konnte Dipl.-Ing. Rainer Disse, Karlsruhe, ein Schüler Egon Eiermanns, gewonnen werden. Anfang Juni 1958 begannen die Bauarbeiten; bereits am 29. Juni 1958, dem Fest Peter und Paul, wurde der Grundstein gelegt durch den Weingartener Dekan Josef Hafner, der die Festansprache hielt. Außerdem sprachen Bürgermeister M. Borell und Pfarrer K. Rupp von der evangelischen Kirchengemeinde Friedrichstal. Ende August 1958 wurde der Richtbaum gesetzt und am Weihnachtsfest 1958 wurde in der Kirche der erste Gottesdienst gefeiert. Sitzgelegenheiten mussten mitgebracht werden. Eine feierliche Weihe der Kirche konnte noch nicht erfolgen.

Am Fest der Heiligen Dreifaltigkeit, dem 12. Juni 1960, wurden drei Glocken geweiht, die die Glockengießerei Schilling, Heidelberg, gegossen hatte. Die 1. Glocke ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht und 400 kg schwer. Sie trägt die Inschrift: „Es segne uns der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen". Die 2. Glocke, die Taufglocke, wiegt 250 kg. Sie trägt die  Inschrift: „Wenn einer nicht wiedergeboren wird aus Wasser und Geist, kann er nicht eintreten in das Reich Gottes". Hinzu kommt noch die Inschrift „Stiftung der Gemeinde Friedrichstal". Die 3. Glocke, die Kleinste, ist der Heiligen Elisabeth geweiht und  hat ein Gewicht von 160 kg. Sie trägt die Inschrift: „Heilige Elisabeth, Schutzpatronin unserer Kirchengemeinde,bitte für uns".



Es sollte noch vier Jahre dauern, bis am 05. August 1962 die katholische Kirche zu Friedrichstal durch Weihbischof Karl Gnädinger konsekriert wurde. „Die katholische Kirchengemeinde hat sich mit dem Bau der St. Elisabeth-Kirche ein geistiges Zentrum geschaffen und sich innerhalb eines Vierteljahrhunderts zu einer stattlichen Kirchengemeinde mit einem intensiven Leben entwickelt", so der Autor der Friedrichstaler Ortschronik, Oskar Hornung, im Jahre 1974. 

Durch eine Spendenaktion der Gemeinde konnte 1972 das bis dahin genutzte Harmonium von einer  elektronischen Orgel ersetzt werden. Dies führte zu einer erheblichen Verbesserung der musikalischen Gottesdienstgestaltung.

 

Im Jahre 1978 erfolgte ein Umbau, verbunden mit einer Grundsaninierung des  Dachs, des Fußbodens sowie des Altarraumes entsprechend den Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils. Daneben wurde auch die Aufstellung der Mutter-Gottes-Statue neu konzipiert. Der Tabernakel wurde links vom Altar, am heutigen Standort der Elisabeth-Statue, aufgestellt.

(Altarraum vor 1978)

(Altarraum nach 1978)

Altar sowie Ambo wurden nach Plänen des Erzbischöflichen Bauamtes und Vorstellungen der Gemeinde angeordnet.

 

Das Kreuz im Altarraum stammt aus der Kirche in Kuppenheim. Der leidende Christus zieht in dem schlicht gehaltenen Kirchenraum den Blick des Kirchenbesuchers immer wieder auf sich

Der mit den Jahren unansehnlich gewordene Innenraum wurde 1989 frisch gestrichen, der Tabernakel an den heutigen Standort verlegt, Stelen aus Holz und Marmorunterbauten zur Ausschmückung mit Blumen und Kerzen für die Marien- und Elisabeth-Statue angefertigt sowie zusätzlich Bleiglaslampen zur verbesserten Beleuchtung des Innenraumes aufgehängt.

Der Abschluss der Renovierung wurde am Patrozinium der Heiligen Elisabeth mit einem festlichen Gottesdienst unter Leitung des aus Freiburg angereisten Domkapitulars Sauer und der feierlichen Weihe der vom Altenwerk der Kirchengemeinde neu gestifteten Elisabeth-Statue gefeiert.

Wie bei jedem Haus, so zeigten sich nach weiteren 20 Jahren am Gebäude der St. Elisabeth-Kirche und der Sakristei wiederum Schäden, die einer dringenden  Renovierung bedurften. Neben der Außen- und Innenrenovierung der Kirche im Jahre 2011 erfolgte auch eine Komplettsanierung der Sakristei

Die Kirche erhielt eine neue, umweltschonende Beleuchtung. Die Kirchendecke wurde neu isoliert, die Vorverglasung der Giebelfenster erneuert, auf dem Kirchplatz wurden, der besseren Ausleuchtung wegen, Mastleuchten aufgestellt, das Kirchplatzpflaster wurde neu ausgerichtet. Die Beheizung der Kirche wurde von der Heizung des Kindergartens getrennt und mit einem Gas-Brennwert-Kessel versehen.

Die in die Jahre gekommene elektronische Orgel wurde durch ein modernes Instrument ersetzt.

Die Anschaffung einer Pfeifenorgel, mit der das nunmehr 50-jährige Provisorium beendet werden sollte, blieb jedoch, auch aus finanziellen Gründen, weiterhin ein unerfüllter Wunsch.

Die Kirche erstrahlt zum 50. Weihejubiläum in neuem Glanz, zur Ehre Gottes und zur Freude der Kirchengemeinde.

 

                                              

                                                                     zusammengestellt 15.07.2012

                                                                     M. Blaschke                                      

 

Aufnahmen: Archiv, Heimatmuseum Friedrichstal, Erzb. Bauamt Freiburg und private Fotos



Weitere Fotos wurde nach Fertigstellung dieses Artikels zur Verfügung gestellt:


Außenansicht Kirche 1962

Altarraum 1962

Skizze Umbau Altarraum 1978