Gangolf

Namenstage: Gangolf

Funktion: Heiliger, Edelmann, (Märtyrer)

Gedenktag: 11. Mai

Patronat: der Gerber, Schuhmacher, kranken Kinder, Pferde; gegen Knieleiden, Augen- und Hautkrankheiten; bei Eheproblemen und Ehebruch

besonders verehrt in Bamberg

Von Roswitha von Gandersheim, die als erste deutsche Dichterin gilt, wurde um 960 die Legende von Gangolf (auch Gengulphus, Gongolf, Gengoux und Gangloff genannt) besungen, als lyrische Adaption einer bereits zuvor verfassten anonymen Vita. Demnach stammte er aus einer adligen burgundischen Familie und war ein zutiefst gottesfürchtiger Ritter am Hofe Pippins III. (741–51 fränkischer Hausmeier, 751–68 König). Als Heerführer und Jäger im Auftrag des Königs unterwegs, trank Gangolf eines Tages durstig von einer Quelle. Er erstand sie zu einem überhöhten Preis, um dem armen Grundbesitzer einen Gefallen zu tun, wurde anschließend jedoch von seinen Gefährten verspottet, zumal sich die Quelle weit entfernt von seinem Heimatort befand und obendrein bei einem späteren Besuch versiegt war. Gangolf jedoch lud seine Freunde zu einem Festmahl in seinen Garten und stieß vor ihren Augen seinen Stock in die Erde. Am nächsten Morgen quoll Wasser aus dieser Stelle – die versiegte Quelle sprudelte nun an neuer Stelle und erlangte durch Gangolfs Gebet Heilkräfte. Gangolf erfuhr, dass seine Frau ihn in seiner Abwesenheit mit einem Priester betrogen hatte. Sie leugnete diese Tat, doch Gangolf befahl ihr, zum Beweis ihre Hand in die Quelle zu tauchen. Als sie diese wieder herauszog, war sie völlig verbrannt. Gangolf verzieh ihr zwar, verbannte sie jedoch aus seinen Gemächern und verwies den Priester des Landes. Auf Geheiß der Ehefrau kehrte dieser jedoch zurück, wurde nachts von ihr eingelassen und ermordete Gangolf am 11. Mai 760 heimtückisch im Schlaf. Schon bald trugen sich zahlreiche Wunder am Grab von Gangolf zu. Als seine Frau dies verhöhnte, wurde sie mit einer beschämenden Krankheit geschlagen, während der Priester an einer Erkrankung starb, die ihn innerlich zerriss. Die Verehrung des hl. Gangolf setzte bereits bald nach seinem Tode ein. Seine Gebeine wurden zunächst nach Varennes-sur-Amance übertragen, heute wird seine Hirnschale in der Pfarrkirche St. Gangolf zu Bamberg verwahrt. Weitere Reliquien befinden sich auch in Trier, Köln und Wolpertswende. In zahlreichen Regionen Europas, vor allem in Frankreich, Deutschland und der Schweiz, stehen dem hl. Gangolf geweihte Kirchen und Kapellen.

Darstellung: als Ritter bei einer Quelle

Attribute: Quelle, Schild und Speer, Schwert und Lanze, Falke, Fahne, Kreuz

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010